04.11.2026

Memento Mori – Der Traum vom ewigen Leben

Der Traum vom ewigen Leben zieht sich wie ein roter Faden durch die Menschheitsgeschichte, und Religionen scheinen diese Sehnsucht zu befriedigen. Sie versprechen nicht nur ewiges Leben, sondern auch Erlösung von den Leiden des irdischen Daseins – ein besseres Leben im Jenseits, ganz auf die menschlichen Sehnsüchte abgestimmt. Denn kaum jemand möchte sterben, doch die Vorstellung, ewig auf Erden zu verweilen, erscheint nur wenigen verlockend. Besonders für den Durchschnittsmenschen, dessen Leben von Mühen und Herausforderungen geprägt ist, scheint die irdische Unsterblichkeit wenig erstrebenswert.


Ein ganz anderes Bild zeigt sich jedoch bei den Superreichen unserer Zeit. In einem Leben voller Luxus und Vergnügen scheint die Vorstellung vom ewigen Leben auf Erden für einige durchaus eine reizvolle Vision zu sein. Sie investieren in Kryonik, lassen sich nach dem Tod einfrieren in der Hoffnung, eines Tages wiedererweckt zu werden, oder setzen auf die neuesten Entwicklungen der Langlebigkeitsforschung, um das irdische Dasein so lange wie möglich zu erhalten.


Während die einen hoffen, dem Tod durch technologischen Fortschritt zu entkommen, wünschen sich viele andere ein ewiges Leben in einer besseren Welt jenseits dieser. Doch die Sehnsucht nach Fortbestehen, in welcher Form auch immer, bleibt als Gemeinsamkeit bestehen.


Der Kriminalbiologe und Autor Mark Benecke beleuchtet diese tief verwurzelte Sehnsucht in seinem Buch „Memento Mori – Der Traum vom ewigen Leben“ auf über 200 Seiten. Seine Überlegungen reichen von der Erforschung möglicher Gehirnverpflanzungen über Tests zur eigenen Lebenserwartung bis hin zu lebensverlängernder Ernährung. Eine besonders interessante These ist, dass der Mensch erst seit relativ kurzer Zeit in der Lage ist, den Tod wirklich bewusst zu begreifen. Benecke verweist auf das Gilgamesch-Epos, in dem der Held sich Schritt für Schritt der Natur des Todes nähert: „Die Menschen früherer Kulturen verstanden nicht, was »Tod« bedeutet. […] Vielleicht war auch die Kultur dieser Menschen insgesamt noch nicht so weit entwickelt, dass sie eine Betrachtung des eigenen Todes erlaubte“ (2022, S. 55).


Diese Sehnsucht nach Fortbestehen – ob hier auf Erden oder in einem Jenseits – führt zu der Frage: Warum fällt es vielen Menschen so schwer, die Endlichkeit des Lebens zu akzeptieren? Warum ist der Gedanke unerträglich, eines Tages endgültig zu enden – ohne Jenseits, Wiedergeburt oder eine andere Form des Fortlebens? Liegt die Antwort in einem evolutionär bedingten Überlebenswillen, der sich im Egoismus des Individuums widerspiegelt? Der Traum vom ewigen Leben bleibt jedenfalls menschlich und prägt unser Denken und Fühlen.