04.11.2026

Höhlenkunst auf Sulawesi

Die Höhle verschafft zumindest ein bisschen Abkühlung. Draußen sind es über 40 °C im Schatten. Eine feuchte Hitze, bei der man sofort ins Schwitzen gerät. Jeder Schatten, jeder Windzug ist ein Segen. Mit jedem Schritt in die Dunkelheit hinein wird es etwas kühler. Wirklich angenehm ist es dennoch nicht. Beim Klettern über die Steine schwitze ich genauso wie draußen. Einige Höhlen liegen weiter oben im Fels. Dass wir erst zu ihnen hinaufklettern müssen, macht es nicht erträglicher.


Viele der Orte, die wir auf Sulawesi besuchen, sind eher geräumige Felsüberhänge als tiefe Höhlen, wie ich sie aus Frankreich kenne. Unter dem Felsdach suchen die Augen zunächst vergeblich nach den Malereien. Es dauert, bis sie sich an das veränderte Licht gewöhnt haben. Sobald man ein Bild entdeckt hat, tauchen überall weitere Bilder auf. Hände, Tiere, ockerfarben bis rötlich.


Auf Sulawesi und den vorgelagerten Inseln wurden einige der ältesten bislang bekannten Felsbilder entdeckt. Ein Handnegativ in der Höhle Liang Metanduno auf Muna wurde auf ein Mindestalter von 67.800 Jahren datiert. Es gilt als die bislang älteste zuverlässig datierte Höhlenkunst. 


Lange prägten vor allem die berühmten Höhlen Frankreichs und Spaniens unsere Vorstellung von den Anfängen der Kunst. Die Funde aus Indonesien zeigen, wie früh Menschen auch hier bereits Bilder schufen.


Was verewigten die Menschen vor so langer Zeit an den Wänden? Besonders häufig begegnen uns Spuren ihres eigenen Körpers: Handnegative. Dafür legten Menschen eine Hand an den Fels und bliesen Farbpigmente darüber. Beim Wegnehmen der Hand blieb die ausgesparte Form zurück, umgeben von Farbe.


Ich starre - immer noch schwitzend und ein bisschen außer Atem - auf diese Hände und frage mich, wer sie vor einer halben Ewigkeit hier hinterlassen hat. Vor über 65.000 Jahren war also ein Mensch hier, der seine Hand an diese Höhlenwand legte, das Handnegativ produzierte, es ansah, zufrieden damit war und sich vielleicht darüber freute. Aber: Warum ausgerechnet an dieser Stelle? Mit welchem Motiv? Was dachte sich dieser Mensch dabei? Manche Handnegative sind einzeln und beinahe zufällig platziert, man muss sie regelrecht suchen; andere sind ganz bewusst angeordnet, aneinander gereiht. Ging es um Zugehörigkeit, um ein Ritual? Oder um etwas, für das uns heute die Vorstellung fehlt? 


Neben den Händen sind es vor allem die Tiere, die Aufmerksamkeit auf sich ziehen. Besonders die Schweine. Warum gerade sie? Welche Rolle spielten sie im Leben der Menschen – und welche in ihren Vorstellungen von der Welt? Waren sie vor allem Nahrung, vertraute Tiere ihrer Umgebung oder mit einer besonderen Bedeutung verbunden?


Es gelingt mir nicht, innezuhalten, um über das zu staunen, was ich sehe - auch wenn ich es versuche. Es ist zu heiß und obwohl wir eine ganz kleine Gruppe sind, müssen wir uns abwechseln, um einen Blick auf die Malereien zu erhaschen.  Dann wird kurz geschaut, schnell ein Foto gemacht und wir gehen zur nächsten Malerei weiter.


Ich nehme mir vor, später in aller Ruhe in mich zu gehen und diesen Augenblick zu würdigen.


Fortsetzung folgt.