04.11.2026

Gespräche mit Frau X. – Alles neu?

Worauf freuen wir uns nach dem Sommerurlaub? Nach der verdienten Auszeit höre ich in den letzten Urlaubstagen oft: „Ich freue mich jetzt aber auch auf zu Hause“, „Ich freue mich auf mein eigenes Bett“, „Ich freue mich, meine Kolleg*innen wiederzusehen.“ Das Gefühl, nach Hause zu kommen und es sich in den eigenen vier Wänden gemütlich zu machen, kennt jeder. Doch für Frau X. gibt es kein Zurück mehr nach Hause.


„Einen alten Baum verpflanzt man nicht“, heißt es im Volksmund. Aber Frau X. ist verpflanzt worden und steht im Pflegeheim nun vor der Herausforderung, sich an eine völlig neue Umgebung anzupassen. Es sind oft die kleinen Dinge, die den Unterschied ausmachen: Der fremde Geruch der gewaschenen Handtücher, die nicht ihre eigenen sind. Das Essen, das selten nach ihrem Geschmack ist und viel zu üppig ausfällt. Das Besteck und das Geschirr, das ihr fremd ist. Und das Menü, das sie zwei Wochen im Voraus festlegen muss. In den kleinen Alltäglichkeiten zeigt sich die große Sehnsucht nach dem Verlorenen.


Kann das Pflegeheim zu einem neuen Zuhause werden? Oder bleibt es ein Ort, an dem Frau X. zwar lebt, aber sich nie vollständig angekommen fühlt? Ein Ort, der ihr nicht die Geborgenheit bieten kann, die das eigene Zuhause einmal hatte? Der Übergang vom Vertrauten ins Unbekannte fällt immer schwer. Doch mit der Zeit werden auch hier neue Gewohnheiten entstehen. Das Pflegeheim kann nicht das alte Zuhause ersetzen, aber vielleicht wird der Duft der Handtücher irgendwann vertrauter, und das Lieblingsgericht aus der Speisekarte könnte sogar Vorfreude bereiten. Das wäre gut.